FUSSBALL, SCHWEIZER CUP ACHTELFINAL FC Schötz (1.) – FC Lugano (SL) 2:3 n. V. (0:0; 1:1)

Aufopferungsvoll gekämpft, beeindruckend selbstbewusst mitgespielt: Die Schötzer lieferten den Profis des FC Lugano am Donnerstagabend einen begeisternden Cup-Fight. Erst ein individueller Fehler liess den Traum von der Sensation platzen.

Irgendwie wollte diese Aktion in der 117. Minute so gar nicht zum kämpferisch einwandfreien und auch spielerisch mutigen Auftritt der Schötzer passen. Und doch war sie symptomatisch: Statt den Ball einfach weit und lang nach vorne zu schlagen, versuchte Goalie Dominic Stadelmann auch noch kurz vor Ende der Verlängerung das Spiel gepflegt aufzubauen. Dabei unterlief ihm ein fataler Fehlpass. Der eingewechselte Domen Crnigoj nahm das Geschenk an und schoss den Favoriten aus Lugano in den Viertelfinal des Schweizer Cups.

Zurückhaltung abgelegt
«Es ist ganz bitter auf diese Weise zu verlieren», meinte der Schötzer Trainer René Erlachner unmittelbar nach Spielschluss. Aber das Team dürfe auf die abgelieferte Leistung uneingeschränkt stolz sein. Die Schötzer starteten vor schöner Kulisse mit 1400 Zuschauern zwar etwas verhalten in den Vergleich mit den Profis des FC Lugano. Allzu viele bange Momente hatte das Heimteam in der ersten halben Stunde aber nicht zu überstehen. Und nachdem die Schötzer ihre anfängliche Zurückhaltung abgelegt hatten, tauchten sie das eine oder andere Mal vor dem Lugano-Tor auf. In die aussichtsreichste Position kam Samir Boussaha nach einem tollen Pass von Claudio Zenger. Doch der schnelle Flügelspieler legte sich den Ball etwas zu weit vor (14.). Erst in den zehn Minuten vor der Pause konnten die Luganesi den Druck nachhaltig erhöhen. Zunächst flog ein abgelenkter Schuss von Balint Vecsei an die Latte, dann hielten Goalie Stadelmann und seine Teamkollegen nach einem Freistoss von Alexander Gerndt das Tor mit vereinten Kräften rein und schliesslich setzte Radomir Milosavljevic seinen Kopfball aus bester Position neben das Gehäuse. Dann war Pause.

Erst Verzweiflung, dann Jubel
Unmittelbar nach dem Seitenwechsel mussten sich die Schötzer zunächst wieder in die eigene Hälfte drängen lassen. Stadelmann klärte erst stark gegen Alexander Gerndt (52.), musste sich zwei Minuten später gleichwohl erstmals geschlagen geben. Younes Marzouk lenkte eine scharfe Hereingabe von Fulvio Sulmoni ins Tor ab. Das Heimteam blieb aber auch im Rückstand seiner Philosophie treu: Wenn immer möglich, versuchten die Schötzer den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Und auch wenn die Luganesi das Geschehen meist kontrollierten, kamen die Platzherren zu ihren Gelegenheiten: Edi Nikmengjaj konnte nach toller Vorarbeit von Boussaha aber nicht reüssieren (65.). Kurz darauf benötigten die Einheimischen Glück, als Stanley Amuzie mit seinem Kopfball nur die Latte traf. Die Schötzer Hoffnung lebte weiter. Weil es die Gäste bis in die Schlussphase nicht verstanden, mit einem zweiten Tor für die Entscheidung zu sorgen, kam in den letzten Minuten auch das lange etwas gar zurückhaltende Publikum aus sich heraus. «Hopp Schötz! Hopp Schötz!», hallte es in immer regelmässigeren Abständen und in immer grösserer Lautstärke über die Anlage. Das Heimteam kämpfte leidenschaftlich: Erst konnten die Gäste einen nicht wunschgemässen Abschluss von Captain Luca Ferricchio auf der Linie abwehren (80.), dann scheiterte Labinot Aziri nach toller Vorarbeit des eingewechselten Manuel Zobrist am stark reagierenden Joel Kiassumbua im Lugano-Tor (89.). Verzweiflung machte sich breit: Die letzte grosse Ausgleichschance schien dahin. Doch der Kummer wich grenzenlosem Jubel. Im Anschluss an einen Eckball traf Aziri nach einer feinen Einzelaktion im Lugano-Strafraum doch noch zum 1:1. Die Schötzer standen in der Verlängerung.

Schötzer schlagen erneut zurück
Diese begann aus Sicht des Heimteams denkbar schlecht. Einen weiten Einwurf konnten die Schötzer nicht klären. Der Ball fiel vor die Füsse von Vecsei und dieser traf zur erneuten Gäste-Führung. Doch die Tessiner wirkten auch jetzt nicht wirklich stilsicher. In der 98. Minute flog 1:0-Torschütze Marzouk mit Gelb-Rot vom Platz. Die «Hopp-Schötz!»-Rufe wurden wieder intensiver. Und gingen erneut in euphorische Jubelschreie über: Kurz vor Ende der ersten Hälfte der Verlängerung profitierte Aussenverteidiger Marcel Gänsler von einem schlecht getimten Ausflug von Kiassumbua und traf per Kopf ins verwaiste Lugano-Tor zum neuerlichen Ausgleich. Bei den Schötzern machte sich in den letzten Minuten der Verlängerung der Kräfteverschleiss dann immer deutlicher bemerkbar. Die Luganesi kamen zu einigen Gelegenheiten, welche Goalie Stadelmann und seine Vordermänner aber gemeinsam zunichte machten. Und als sich auf Wissenhusen alle auf das erste Schötzer Penaltydrama seit 1996 freuten, kamen diese unheilvolle 117. Minute und diese eine Unkonzentriertheit des Schötzer Schlussmannes. Auf den dritten Rückstand fand das Heimteam keine Antwort mehr. Ein Leistungsträger fehlte Was angesichts der beeindruckenden Leistung der Platzherren fast unterging: Die Schötzer hatten bei ihrem Effort auf einen ihrer wichtigsten Spieler verzichten müssen. Michael Koch musste während des Einlaufens Forfait geben. Was für die Schötzer mit ihrem wichtigen Mittelfeldspieler in Topform gegen dieses Lugano wohl möglich gewesen wäre? Letztlich ist diese Frage so müssig wie jene, was wohl passiert wäre, wenn Dominic Stadelmann den Ball in dieser unsäglichen 117. Minute einfach in den Schötzer Nachthimmel gedroschen hätte...?

Schötz (1.) – Lugano (Super League) 2:3 n. V. (0:0; 1:1) Wissenhusen. – 1400 Zuschauer. – SR Jaccottet. – Tore: 54. Marzouk 0:1. 90. Aziri 1:1. 93. Vecsei 1:2. 105. Gänsler 2:2. 117. Crnigoj 2:3. – Schötz: Stadelmann; Gänsler, Ferricchio, Bajrami, Skeraj (61. Pekas); Boussaha, Stephan, Rapelli, Nikmengjaj (71. Zobrist); Zenger (81. Frey), Aziri. – Lugano: Kiassumbua; Yao Eloge, Sulmoni, Rouiller, Amuzie; Piccinocchi (61. Crnigoj); Marzouk, Sabbatini, Vecsei, Milosavljevic (91. Mariani); Gerndt (72. Carlinhos). – Bemerkungen: 37. abgelenkter Schuss von Vecsei an die Latte. 69. Kopfball von Amuzie an die Latte. 98. Platzverweis Marzouk (Gelb-Rot).